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Persönliche Besuche – Kontakte ermöglichen

Die geltenden Kontaktbeschränkungen, Besuchsverbote sowie die Anforderungen an den Mindestabstand stellen eine große Hürde für persönliche Besuche dar.  Im Folgenden sollen auf einige Möglichkeiten eingegangen werden, wie persönliche Besuche auch unter den Anforderungen der Coronaschutzverordnung möglich gemacht werden können.

„Jede kleine Aufmerksamkeit ist ein Augenblick der Liebe.“

Anette Andersen

Formen

Herausforderungen, die persönlichen Besuchen entgegenstehen, bestehen insbesondere in der Infektionsgefahr durch Aerosole (feinste Tröpfchen in der Atemluft). Die einfachsten Ideen setzen darum auf die Einhaltung des Mindestabstands.

Die Visualisierung von Abständen, wie sie zum Beispiel durch Bodenmarkierungen in Geschäften passiert, lässt sich auch für den privaten Bereich einsetzen. Auch Unterhaltungen durchs Fenster oder über einen Balkon hinweg sind denkbar.

Um privatere Besuchsformen auf einer geringeren Distanz zu ermöglichen, müssen hingegen die Luftströme und andere möglichen Infektionsquellen getrennt werden. Um unter diesen Umständen geeignete Räume zu schaffen, ist die Trennung der Atemluft durch eine physische Barriere (z.B. Plexiglas) essentiell. 

Gegensprechanlagen oder vergleichbare Technik können die Verständigung in solchen Räumen erleichtern.

Welche Voraussetzungen gibt es?

Um Corona-konforme Besuche zu ermöglichen, müssen allen Voran die Abstandsbestimmungen eingehalten werden. 

Hinzu kommt, dass die Investitionskosten für die Installation einer Besucherbox von der Einrichtung selbst getragen werden müssen, da es derzeit keine Refinanzierungsmöglichkeiten gibt. Die Anfertigung und Konstruktion können entweder von einem Fachbetrieb übernommen werden. Alternativ käme auch ein Selbstbau infrage, wenn genug handwerkliches Geschick vorhanden ist.

Weitere Umsetzungsbeispiele

Besucherbox

Eine angebaute Besucherbox ermöglicht den Kontakt zu Angehörigen im Seniorenheim. Dank der Überdachung geschützt vor Wind und Wetter. Eine Gegensprechanlage ermöglicht Gespräche.

ZielgruppeKinder/Jugendliche | Senioren
Menschen mit Behinderungen | Menschen mit Demenz
Art der Maßnahmesoziale Aktivität | bauliche Maßnahme
GruppengrößeEinzelperson | Kleingruppe
Netzwerkdirektes Umfeld
Wohnumfeldhäuslich | stationär
Barrierefreiheitbarrierearm | barrierefrei
Kostenmittel
Legende: zutreffend | begrenzt zutreffend

Autoparade

Wenn die Wohnung über eine einsehbare Einfahrt oder einen Parkplatz verfügt, können Angehörige auch als „Parade“ mit ihren Autos vorbeifahren.

ZielgruppeKinder/Jugendliche | Senioren
Menschen mit Behinderungen | Menschen mit Demenz
Art der Maßnahmesoziale Aktivität | bauliche Maßnahme
GruppengrößeKleingruppe
Netzwerkdirektes Umfeld | nahes Umfeld
Wohnumfeldhäuslich | stationär
Barrierefreiheitbarrierearm | barrierefrei
Kostengering | mittel
Legende: zutreffend | begrenzt zutreffend

Umarm-Umhang

Selbstgebastelte Umarm-Umhänge aus z.B. einem Duschvorhang können ermöglichen, dass Personen sich kontaktlos umarmen. Dazu werden an den Duschvorgängen Ärmel angenäht, die von den Personen genutzt werden können, um sich kontaktlos zu umarmen.

ZielgruppeKinder/Jugendliche | Senioren
Menschen mit Behinderungen | Menschen mit Demenz
Art der Maßnahmesoziale Aktivität | bauliche Maßnahme
GruppengrößeKleingruppe
Netzwerkdirektes Umfeld
Wohnumfeldhäuslich | stationär | ambulant
Barrierefreiheitbarrierearm | barrierefrei
Kostengering | mittel
Legende: zutreffend | begrenzt zutreffend

Vermutete Wirksamkeit

Die oben genannten Möglichkeiten dienen in erster Linie dazu Gelegenheiten zur Interaktion zu schaffen. Aus der wissenschaftlichen Forschung geht hervor, dass dieser Interventionstyp für sich allein nicht in der Lage ist Einsamkeitsgefühle in bedeutendem Maße zu reduzieren. 

Es empfiehlt sich die Gelegenheiten zur Interaktion mit gezielter sozialer Unterstützung zu kombinieren, da Einsamkeitsgefühle so besser reduziert werden können. In der Praxis könnte dies so aussehen, dass die Betroffenen gezielt danach gefragt werden, wessen Besuch sie sich wünschen. Diese Besuche persönlich wichtiger Menschen können dann systematisch und durch Hilfe aus dem Umfeld geplant und umgesetzt werden.

Experteneinschätzung: Prof. Bamberg

„Besucherboxen und ihre Variationen sind typische Beispiele für den von Masi et al. (2011) als „Schaffen von mehr Gelegenheiten für soziale Interaktion“ bezeichneten Interventionstyp.In ihrer Meta-Analyse finden Masi et al. (2011), dass für sich genommen das Schaffen von mehr sozialen Interaktionsgelegenheiten zu keiner signifikanten Reduktion von Einsamkeitsgefühlen führt. Offensichtlich ist das Schaffen von mehr Interaktionsgelegenheiten eine notwendige, aber nicht hinreichende Maßnahme zur Reduktion von Einsamkeitsgefühlen. Das Problem einsamer Menschen besteht gerade oft darin, dass sie keine persönlich bedeutsamen Personen haben, die sie besuchen würden, selbst wenn es die Gelegenheit dazu gibt. Der Interventionstyp „Besucherbox“ ist vermutlich deutlich wirksamer, wenn er systematisch um Maßnahmen zur Organisation von Besuchen persönlich wichtiger Menschen ergänzt wird (z.B. indem man fragt, welchen Besuch sich jemand wirklich wünscht und dann aktiv versucht, so einen Besuch zu organisieren). So ein Vorgehen wäre dann eine Kombination der Interventionstypen „Schaffen von mehr Gelegenheiten“ und „gezielte soziale Unterstützung“. Allen im Folgenden präsentieren Interventionen zeigen, dass die Einbettung einer spezifischen Intervention in systematische Überlegungen, wie sich mit dieser Intervention tatsächliche soziale Interaktionen initiieren lassen, die von den Menschen als persönlich bedeutsam erlebt werden, zentral für die Wirksamkeit Einsamkeitsgefühle reduzierender Maßnahmen ist. In dem Text „Wie entwickele ich wirksame Maßnahmen gegen Einsamkeit?“ stellen wir ein theoriebasiertes, empirisch evaluiertes Konzept für so ein Vorgehen dar.“

CategoriesAllgemein

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